Fallbeispiel: Bitcoin Mining mit 10 kWp PV-Anlage
Wie sieht PV-Überschuss-Mining in der Praxis aus? Das folgende Beispiel zeigt eine modellhafte Berechnung für eine typische Privatanlage – transparent, mit allen Annahmen und ohne Renditeversprechen.
⚠ Modellrechnung – keine Anlageberatung. Alle Zahlen basieren auf den unten genannten Annahmen. Bitcoin-Kurs, Mining Difficulty und PV-Ertrag sind variabel. Tatsächliche Ergebnisse können erheblich abweichen.
Ausgangslage
- PV-Anlage: 10 kWp, Südausrichtung, 30° Neigung, Süddeutschland
- Jahresertrag PV: ca. 11.000 kWh (≈ 1.100 kWh/kWp)
- Eigenverbrauch Haushalt: ca. 3.500 kWh/Jahr
- Verfügbarer PV-Überschuss: ca. 7.500 kWh/Jahr
- Bisherige Einspeisevergütung: 8,2 ct/kWh
Mining-Hardware
- Modell: Antminer S19, 121 TH/s
- Stromverbrauch: 3.500 W
- Betriebsmodus: Nur bei PV-Überschuss; im Winter abschalten
- PV-Überschuss-Stunden: ca. 1.300 h/Jahr (Ø 4,5 h/Tag im Sommer, ca. 1,5 h/Tag Übergangszeit)
Berechnungsgrundlagen
- Netzwerk-Hashrate: ca. 800 EH/s (Stand 2025 – steigt tendenziell)
- Block-Reward: 3,125 BTC (nach Halving April 2024)
- Blöcke/Tag: 144
- Pool-Gebühr: 1 %
- Bitcoin-Kurs (Annahme): 80.000 € – keine Prognose
Modellrechnung
| Kenngröße | Wert | Anmerkung |
|---|---|---|
| Hashrate | 121 TH/s | Antminer S19 |
| Stromverbrauch | 3.500 W | |
| Netzwerk-Hashrate | 800 EH/s | ca. 2025, variabel |
| Tagesertrag (Vollbetrieb 24 h) | 0,0000674 BTC/Tag | Hashrate/Netzwerk × 144 × 3,125 × 0,99 |
| PV-Betriebsstunden | 1.300 h/Jahr | = 14,8 % Jahresbetrieb |
| Jahresertrag PV-Only | ≈ 0,00365 BTC/Jahr | |
| Monatsertrag PV-Only | ≈ 0,00030 BTC/Monat | Ø über 12 Monate |
| Ertrag in € (Kurs 80.000 €) | ≈ 292 €/Jahr | Kursabhängig |
| Energie Miner (PV-Only) | 4.550 kWh/Jahr | 3,5 kW × 1.300 h |
| Einspeise-Alternative | ≈ 373 €/Jahr | 4.550 kWh × 8,2 ct/kWh |
Unter diesen Annahmen ist Einspeisen wirtschaftlich günstiger als Mining. Das Ergebnis dreht sich bei höherem Bitcoin-Kurs, niedrigerer Netzwerk-Hashrate oder mehr PV-Überschuss-Stunden.
Wann kippt das Ergebnis?
Der Nachteil von 81 €/Jahr lässt sich durch verschiedene Faktoren ausgleichen:
- Bitcoin-Kurs ~102.000 €: Mining und Einspeisen brechen exakt gleich auf – ab diesem Punkt wird Mining rentabler
- Mehr PV-Überschuss-Stunden: z. B. bei größerer Anlage oder optimiertem Lastmanagement
- Niedrigere Netzwerk-Hashrate: historisch schwankt die Hashrate erheblich
- Wegfall der Einspeisevergütung 2027: Wenn die Vergütung entfällt, ist Mining mit 0-ct-Strom fast immer rentabler
Chancen
- PV-Überschuss wird aktiv genutzt statt verschenkt
- Bei steigendem Bitcoin-Kurs dreht das Ergebnis schnell ins Positive
- Ab 2027: Wegfall vieler Einspeisevergütungen macht Mining attraktiver
- Abwärme im Winter nutzbar (Nebenraum, Werkstatt)
Risiken
- Aktuell (Stand 2025) rechnet sich der S19 bei 121 TH/s noch nicht gegen die Einspeisung
- Bitcoin-Kurs kann weiter fallen – Nachteil vergrößert sich
- Netzwerk-Hashrate steigt tendenziell weiter
- Lautstärke: ca. 75 dB – nicht im Wohnbereich betreibbar
- Hardware-Kosten: 800–1.500 € (Amortisation offen)
Fazit
Dieses Beispiel zeigt: Nicht jede Konstellation ist profitabel. Mit dem Antminer S19 (121 TH/s) auf einer 10 kWp Anlage liegt Einspeisen unter den getroffenen Annahmen ca. 81 €/Jahr vor dem Mining. Das Ergebnis dreht sich, sobald der Bitcoin-Kurs über ca. 102.000 € steigt oder die Einspeisevergütung wegfällt. Genau das ist der Wert einer individuellen Berechnung – pauschale Aussagen helfen hier nicht weiter.



