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Lohnt sich Bitcoin-Mining mit PV-Überschuss? Die ehrliche Komplettrechnung 2026

ca. 13 Min. Lesezeit

Ob sich Bitcoin-Mining mit PV-Überschuss lohnt, entscheidet der Vergleich mit tatsächlich entgangener Einspeisevergütung und anderen Nutzungen. Dieses Beispiel hält den historischen Vergleichssatz von 7,78 ct/kWh fest, verwendet aber ein einheitliches Netzwerkmodell für alle Geräte. Wir rechnen Mining-Erlös, Energie, Wartung, nutzbare Abwärme und Anschaffung getrennt – einschließlich der Frage, wann Heizstab, Wallbox oder direkt gekaufte Sats vorteilhafter sind. Der betrachtete Solarstrom hat eine Einspeisealternative, die in der Rechnung erhalten bleibt.

Der Denkfehler, mit dem fast jede Mining-Rechnung beginnt

Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, hört das Argument ständig: „Dein Überschussstrom kostet dich nichts, also ist jedes Mining-Ergebnis reiner Gewinn.“ Das klingt plausibel und ist trotzdem falsch. Überschussstrom ist nicht kostenlos, denn er hat eine Alternative: die Einspeisung. Jede Kilowattstunde, die in einen Miner fließt, fließt nicht ins Netz – und damit entgeht Ihnen die Vergütung, die Sie sonst bekommen hätten. Ökonomen nennen das Opportunitätskosten, und sie sind neben Investition, Betriebskosten und tatsächlich nutzbarer Wärme ein wichtiger Maßstab für diese Entscheidung.

Für Gebäudeanlagen bis 10 kWp in Teileinspeisung veröffentlicht die Bundesnetzagentur 7,70 ct/kWh für Inbetriebnahmen vom 1. August 2026 bis 31. Januar 2027. Für Bestandsanlagen sind ihr Inbetriebnahmedatum und die jeweiligen Förderbedingungen maßgeblich. Die historische Vergleichsannahme dieses Artikels von 7,78 ct/kWh gehört zu entsprechenden Inbetriebnahmen Februar bis Juli 2026. Ein Mining-Vorteil muss zusätzlich Anschaffung, Lärm, Wartung und Kursrisiko tragen. Solarspitzengesetz und geplante EEG-Reform 2027 sind getrennt einzuordnen; die untenstehenden Modellwerte werden mit den ausdrücklich genannten Eingaben neu berechnet. Quelle: Bundesnetzagentur: Fördersätze, § 49 EEG. Weiterführend: Analyse zur EEG-Reform 2027.

Die Kernformel: Von Joule pro Terahash zu Cent pro Kilowattstunde

Der Erlös je Kilowattstunde verbindet Hardware-Effizienz und Ertrag je Rechenleistung. Er ist ein Teil der Wirtschaftlichkeit. Hinzu kommen tatsächlich nutzbare Laufzeit, entgangene Einspeisung, Wartung und Investition; ein hoher Bruttoerlös allein ist kein Gewinn.

Die Effizienz Ihrer Hardware wird in Joule pro Terahash (J/TH) angegeben: Watt geteilt durch TH/s. Eine Kilowattstunde entspricht 3,6 Millionen Joule. Bei 13,5 J/TH werden damit rund 266.667 Terahashes berechnet, bei 25 J/TH 144.000. Der Hashprice bezeichnet Erlös je Rechenleistung und Zeit; bei USD pro PH/s und Tag muss zusätzlich der Wechselkurs angegeben werden. Im folgenden Vergleich leiten wir den Erlös stattdessen direkt aus demselben BTC-Kurs und derselben Netzwerkannahme ab. Quellen: Braiins: Betriebsmodell, Bitcoin: Mining.

Daraus folgt die Formel, die Sie sich merken sollten:

BTC-Ertrag = eigene TH/s ÷ (Netzwerk-EH/s × 1.000.000) × (Betriebsstunden ÷ 24) × 144 × Blocksubvention × (1 − Poolgebühr). Energie = Leistung in kW × Betriebsstunden. Erlös je kWh = BTC-Ertrag × €/BTC ÷ Energie; bei null Betriebsstunden entsteht kein Ertrag. Alternativ gilt bei Hashprice in USD/(PH/s)/Tag: EUR/kWh vor Poolgebühr = Hashprice ÷ (24 × J/TH × USD/EUR).

Gemeinsame Modellannahmen: 900 EH/s Netzwerk-Hashrate, 80.000 €/BTC, 3,125 BTC Blocksubvention, 144 Blöcke/Tag und 2 % Poolgebühr. Transaktionsgebühren sind nicht enthalten. Preise, Netzwerk und Betriebspunkt bleiben im Modell konstant; dies sind keine Live-Daten oder Prognosen. Für den reinen Erlös je kWh kürzt sich die Laufzeit heraus; Investitionskosten jedoch nicht. Die folgenden konkreten Betriebspunkte sind Herstellerwerte oder ausdrücklich angenommene Gesamtsystemwerte. Zusätzliche externe Kühlung und Steuerung sind bei einer Anlage extra zu berücksichtigen. Quellen: BITMAIN: S21 XP, BITMAIN: S19j Pro, BITMAIN: S23 Hyd., Bitaxe Gamma: Originalprojekt. Wasserkühlung ist beim S23 Hydro Teil der Systemplanung.

GerätEffizienzHashrate / LeistungsaufnahmeErlös nach Poolgebühr (ct/kWh)Vergleich zu 7,78 ct
Antminer S23 Hydro9,50 J/TH580,0 TH/s / 5.510,00 W17,19 ctdarüber vor weiteren Kosten
Antminer S21 XP13,50 J/TH270,0 TH/s / 3.645,00 W12,10 ctdarüber vor weiteren Kosten
Bitaxe Gamma (Modell)16,40 J/TH1,2 TH/s / 19,68 W9,96 ctdarüber vor weiteren Kosten
Antminer S2117,50 J/TH200,0 TH/s / 3.500,00 W9,33 ctdarüber vor weiteren Kosten
Antminer S19 XP (Modell)21,35 J/TH141,0 TH/s / 3.010,00 W7,65 ctdarunter vor weiteren Kosten
Antminer S19j Pro (gebraucht)29,50 J/TH104,0 TH/s / 3.068,00 W5,54 ctdarunter vor weiteren Kosten

Im gemeinsamen Modell erlöst ein S21 XP 12,10 ct/kWh nach 2 % Poolgebühr und liegt damit vor weiteren Kosten über 7,78 ct Einspeisevergütung. Der S19j Pro liegt mit 29,5 J/TH bei 5,54 ct und damit darunter. Die frühere 25-J/TH-Angabe wäre ein gesonderter Betriebspunkt, kein Standardwert jedes S19j Pro. Aus einer positiven Energiemarge folgt noch keine Amortisation; externe Kühlsysteme können die Systemeffizienz verschlechtern.

Marktwerte aus verschiedenen Zeitpunkten lassen sich nicht zu einer aktuellen Wirtschaftlichkeitsrechnung zusammensetzen. Die früher genannten 29 beziehungsweise 23,9 US-Dollar Hashprice und Branchenproduktionskosten von 87.000 US-Dollar pro Bitcoin werden deshalb nicht als Eingaben dieses Beispiels verwendet. Der Vergleich beruht vollständig auf den oben genannten 900 EH/s und 80.000 €/BTC. Eine andere Marktsituation muss als eigenes Szenario neu berechnet werden.

Das zweite Problem: Ihr Miner läuft viel seltener, als Sie denken

Selbst wenn der Erlös pro Kilowattstunde stimmen würde, bleibt eine Frage, die in Werbeprospekten konsequent fehlt: Wie viele Kilowattstunden fließen überhaupt durch den Miner? Ein ASIC entfaltet seinen Wert nur, wenn er rechnet. Im professionellen Rechenzentrum läuft er 8.760 Stunden im Jahr. An Ihrer PV-Anlage läuft er, wenn die Sonne scheint, der Haushalt versorgt ist und der Überschuss über der Mindestleistung des Geräts liegt.

Modell: Eine 10-kWp-Anlage erzeugt 10.000 kWh/Jahr, davon werden 3.000 kWh bereits direkt im Haushalt genutzt. Es bleiben 7.000 kWh Überschuss. Angenommen werden davon 3.600 kWh tatsächliche Mineraufnahme. Ein S21 XP mit 3.645 W erreicht diese Menge in 987,65 äquivalenten Volllaststunden. Aus Anlagengröße oder Jahresüberschuss allein folgt diese Aufnahme nicht; ein zeitlich aufgelöstes Lastprofil muss sie bestätigen. Bei Drosselung sind die tatsächliche Hashrate und Leistungsaufnahme zu verwenden. Quellen: BITMAIN: S21 XP, Braiins: Betriebsmodell.

Praxisberichte, etwa zum PV-Überschuss-Mining mit 14,4 kWp und S19j Pro, können auf Stillstand im Winter und Betriebsaufwand aufmerksam machen. Einzelberichte sind jedoch keine allgemeine Ertragsprognose. Prüfen Sie für die eigene Anlage vor allem nutzbare Stunden, Überschussleistung und tatsächlich entgangene Einspeisung.

Die Modellrechnung: 10 kWp, S21 XP und vollständige Jahresbilanz

Für die 10-kWp-Bestandsanlage gelten 7.000 kWh Jahresüberschuss und 3.600 kWh tatsächlich verwendeter PV-Strom, Netzbezug null. Betriebspunkt: S21 XP mit 270 TH/s und 3.645 W, 987,65 äquivalente Volllaststunden. Gemeinsame Modellannahmen: 900 EH/s Netzwerk-Hashrate, 80.000 €/BTC, 3,125 BTC Blocksubvention, 144 Blöcke/Tag und 2 % Poolgebühr. Transaktionsgebühren sind nicht enthalten. Preise, Netzwerk und Betriebspunkt bleiben im Modell konstant; dies sind keine Live-Daten oder Prognosen. Investition einschließlich benötigter Zusatztechnik: 4.500 €, Nutzungsdauer 3 Jahre, Wartung 50 €/Jahr. Tatsächlich nutzbare Wärme: 1.500 kWh/Jahr bei zeitgleichem Bedarf; angenommener vermiedener Nutzwärmepreis 10 ct/kWh. Einspeisealternative: 7,78 ct/kWh.

PositionBetrag pro Jahr
Mining-Erlös (3.600 kWh × 12,098765 ct)+435,56 €
Entgangene Einspeisevergütung (3.600 kWh × 7,78 ct)−280,08 €
Nach Energie und 50 € Wartung, ohne Wärme+105,48 €
Nutzwärme (1.500 kWh × 10 ct)+150,00 €
Betriebsüberschuss mit Wärme+255,48 €
Investitionsverteilung (4.500 € / 3 Jahre)−1.500,00 €
Jahresergebnis einschließlich Investition−1.244,52 €

Der Miner setzt einen großen Teil seiner elektrischen Aufnahme in Wärme um; bewertet werden hier nur 1.500 von 3.600 kWh als tatsächlich zeitgleich nutzbare Wärme. Der angesetzte Preis von 10 ct/kWh ist ein Modellwert für vermiedene Nutzwärme, kein pauschaler Gastarif. Wird stattdessen eine Wärmepumpe ersetzt, ist ihr vollständiger Strompreis durch die maßgebliche Arbeitszahl zu teilen. Ein elektrischer Durchlauferhitzer hat eine andere Vergleichsbasis. Warmwasser- oder Poolbedarf muss gerade dann vorhanden sein, wenn die Abwärme anfällt. Weiterführend: Speicher vs. Miner vs. Heizstab · Wärmepumpe oder Bitcoin-Miner.

Die Verteilung von 4.500 € auf drei Jahre ist eine ausdrücklich gewählte wirtschaftliche Nutzungsannahme. Sie behauptet keine universelle Lebensdauer von ASICs. Bei fünf Jahren wären jährlich 900 € anzusetzen und das Ergebnis läge bei −644,52 €. Hardwaredefekte, neue Chipgenerationen und veränderte Difficulty können die tatsächliche Nutzbarkeit verändern. Bereits abgeschriebene Hardware verursacht weiterhin Betriebskosten und gegebenenfalls Ersatzbedarf.

Der Betriebsüberschuss von 255,48 €/Jahr ergibt bei konstanten Annahmen eine einfache Amortisation von 17,61 Jahren. Sie liegt deutlich über den angesetzten drei Jahren: Im Modellzeitraum amortisiert sich die Anschaffung nicht. Im ersten Jahr beträgt der Zahlungsüberschuss nach der vollständigen Investition −4.244,52 €. Finanzierung, Steuern und Restwert sind nicht enthalten. Monatsbeträge sind Jahresdurchschnitte; tatsächlicher Betrieb und Auszahlungen schwanken.

Die Sensitivitätsanalyse: Was müsste passieren, damit es sich dreht?

Für ein Jahresergebnis von null müsste der Erlös bei unveränderten 3.600 kWh, 280,08 € Einspeiseverlust, 50 € Wartung, 150 € Wärmenutzen und 1.500 € Investitionsverteilung insgesamt 1.680,08 €/Jahr erreichen. Bei unverändertem Netzwerk und Poolanteil entspricht das 308.586,12 €/BTC. Dies ist eine rechnerische Schwelle, keine Kursprognose. Eine Kursverdopplung auf 160.000 €/BTC ergäbe 871,11 € Mining-Erlös und noch −808,97 € Jahresergebnis. Das nächste Halving ist bei Blockhöhe 1.050.000 vorgesehen; der Kalendertermin ist nicht fest. Danach muss die Blocksubvention im Modell angepasst werden. Quellen: Bitcoin: Proof of Work.

Niedrigere tatsächlich entgangene Einspeiseerlöse können den Vergleich zugunsten anderer Nutzungen verschieben. § 51 EEG regelt die Kürzung des anzulegenden Werts auf null bei negativen Spotmarktpreisen. Für Anlagen unter 100 kW besteht eine Ausnahme bis zum Ende des Kalenderjahres, in dem ein intelligentes Messsystem eingebaut wird. Für Anlagen unter 2 kW enthält das Gesetz eine weitere, an eine Festlegung der Bundesnetzagentur gebundene Ausnahme. Für Bestandsanlagen sind die Übergangsbestimmungen maßgeblich. § 51a EEG regelt die Verlängerung des Vergütungszeitraums. Bei Photovoltaik werden die betroffenen Viertelstunden mit dem Faktor 0,5 in ein Zeitkontingent umgerechnet und über gesetzliche Monatswerte ausgeglichen. Das ist keine sofortige Auszahlung und keine Zusage eines wertgleichen finanziellen Ausgleichs. Auch bei einem geplanten Wegfall der festen Förderung kleiner Neuanlagen bleiben Markt- und Vermarktungserlöse sowie andere Nutzungen Vergleichsgrößen. Ein Mining-Cent ist nicht automatisch Gewinn. Bestandsschutz und Anwendungsfälle erläutert die EEG-2027-Analyse. Quelle: § 51 EEG, § 51a EEG, § 100 EEG, BMWE: Gesetzgebungsverfahren. Weiterführend: EEG-2027-Analyse.

Die Rangfolge: Was Ihr Überschuss wirklich wert ist

Vergleich je eingesetzter PV-kWh, ausdrücklich vor zusätzlichen Investitions- und Betriebskosten. Modellannahmen: vermiedener Netzstrombezug 34 ct/kWh, Einspeisung 7,78 ct/kWh, Batterie-Rundlaufwirkungsgrad 90 %, vermiedene Nutzwärme 10 ct/kWh. Jeder Nutzen setzt einen tatsächlich vorhandenen, zeitlich passenden Bedarf voraus. Bei zusätzlichem Eigenverbrauch ist vom Bruttonutzen die entgangene Einspeisung abzuziehen; Einspeisung selbst ist die Vergleichsoption.

VerwendungBruttonutzen je PV-kWhAnschaffung nötigAnmerkung
E-Auto laden34,00 ctWallbox (falls E-Auto vorhanden)nur tatsächlich vermiedener Netzbezug
Batteriespeicher30,60 cthoch (Speicher)90 % × 34 ct; vor Speicher-/Betriebskosten
Miner mit Wärmenutzung16,27 ctmittel bis hoch12,10 ct Mining + 4,17 ct anteiliger Wärmenutzen wie im Beispiel
Heizstab / Brauchwasser-Wärmepumpe10 ct / 30 ctgering bis mittelHeizstab: 1 kWh Wärme; Wärmepumpe: Modell-JAZ 3, je 10 ct Nutzwärmewert
Einspeisung (Bestandsanlage)7,78 ctkeineanlagenspezifischer Vergleichssatz; keine pauschale Senkung bei Altanlagen
Miner ohne Wärmenutzung (S21 XP)12,10 cthoch4,32 ct Energiemarge vor Wartung und Investition
Miner ohne Wärmenutzung (S19-Klasse)5,54 ct (S19j Pro)gering (gebraucht)bei 29,5 J/TH vor weiteren Kosten unter Einspeisung

Die passende Reihenfolge ergibt sich aus zeitlichem Bedarf und Kosten. Dieselbe Kilowattstunde kann nicht gleichzeitig Auto, Speicher, Warmwasser und Miner versorgen. E-Auto und vorhandene Verbraucher vermeiden häufig Netzbezug; ein Miner kann verbleibenden Überschuss nutzen. Die Bilanz muss jedoch alle Alternativen mit ihren zusätzlichen Investitionen und Verlusten vergleichen. Unser Überschuss-Simulator hilft, die Verteilung des Stroms zu untersuchen. Weiterführend: Überschuss-Simulator.

Wann Mining trotzdem die richtige Wahl ist

Andere Eingaben können andere Ergebnisse liefern. Die folgenden Situationen sind deshalb individuell zu rechnen:

Bei Anlagen ohne oder mit niedriger Vergütung – Nulleinspeise- und Inselanlagen, ausgeförderten Anlagen oder möglichen Neuanlagen nach der EEG-Reform 2027 – ist die tatsächlich verfügbare Einspeisealternative zu prüfen. Auch bei null Einspeiseerlös bleiben Hardware und Betriebskosten. Zeitgleich nutzbare Abwärme kann einen Vorteil bringen; ein hoher Wärmepreis allein garantiert aber keinen positiven Jahresgewinn. Bei dynamischen Stromtarifen zählen vollständiger Bezugspreis und tatsächlich günstige Betriebsstunden, nicht allein negative Börsenpreise. Ein Bitaxe eignet sich als kleineres Lernprojekt; ein Modellbudget unter 200 € ist kein aktuelles Angebot und Solo-Mining liefert keinen verlässlichen Jahreszufluss. Weiterführend: Bundesnetzagentur: Dynamische Stromtarife · Bundesnetzagentur: Strompreisbestandteile · Bitaxe für unter 200 Euro.

Sats statt Cent? Ja – aber dann konsequent gerechnet

Auch wer vor allem Sats sammeln möchte, muss den Vergleich vollständig rechnen: Der S21 XP erzeugt im Modell nach Poolgebühr 151,23 Sats je kWh. Für 7,78 ct Einspeiseerlös könnten bei 80.000 €/BTC rechnerisch 97,25 Sats gekauft werden, vor Handelsgebühren. Mining liefert hier je eingesetzter kWh mehr Sats, muss aber zusätzlich Anschaffung, Wartung und mögliche Ausfälle tragen. Die Sats-Perspektive ersetzt keine vollständige Investitionsrechnung. Für beide Wege bleiben sichere Verwahrung und der Umgang mit Kursänderungen wichtig. Weiterführend: Selbstverwahrung.

Praxis, Steuern, Nachbarn: Was sonst noch zählt

Wer nach alledem einsteigt, sollte drei Dinge von Anfang an richtig machen. Technisch braucht es eine überschussgeführte Steuerung – Home Assistant oder evcc lesen die Wechselrichterdaten und schalten beziehungsweise drosseln den Miner über einen Messsteckdosen-Aktor; Firmware wie Braiins OS kann bei unterstützten Geräten die Leistung verändern; passende Betriebspunkte und Effizienz sind gerätespezifisch zu prüfen. Anschluss und Schaltung müssen für Dauerlast und Gerät geeignet sein. Akustisch gehören luftgekühlte ASICs in Garage, Keller oder ein gedämmtes Gehäuse; im Wohnraum sind 75 Dezibel Dauerlärm schlicht nicht auszuhalten, und auch der Nachbar hat Rechte. Steuerlich gilt: Nachhaltiges Mining mit Gewinnerzielungsabsicht ist nach Auffassung der Finanzverwaltung regelmäßig eine gewerbliche Tätigkeit; geminte Coins sind bei Zufluss zu bewerten, spätere Kursgewinne im Betriebsvermögen steuerpflichtig. Bei den hier gezeigten Größenordnungen droht umgekehrt die Einstufung als Liebhaberei, bei der auch Verluste steuerlich verpuffen. Beides gehört vor dem Kauf mit dem Steuerberater besprochen – dieser Artikel ist ausdrücklich keine Steuer- oder Anlageberatung.

Fazit: Rechnen Sie erst, kaufen Sie danach

Im gerechneten S21-XP-Beispiel liegt der Mining-Erlös nach Poolgebühr über der entgangenen Einspeisung. Der Betriebsüberschuss von 255,48 € deckt aber die angesetzte jährliche Investitionsverteilung nicht: Das Ergebnis beträgt −1.244,52 €/Jahr, die einfache Amortisation liegt außerhalb der Nutzungsdauer. Günstigere Hardware, ein anderes Überschussprofil oder mehr tatsächlich nutzbare Abwärme können andere Resultate ergeben. Prüfen Sie deshalb PV-Anlage, Wärmebedarf und Alternativen mit denselben nachvollziehbaren Annahmen.

Quellen und weiterführende Daten

  • Hashrate Index / CoinDesk: Hashprice-Entwicklung 2026 (Q1-Tief ~23,9 $/PH/Tag), zusammengefasst u. a. bei CoinLaw und Intermine
  • Break-even-Analysen aktueller ASIC-Generationen (Juli 2026): Startmining
  • Szenariorechnungen und Branchenproduktionskosten: MillionMiner
  • Einjahres-Praxisbericht PV-Überschuss-Mining mit S19j Pro: schiffler.eu
  • Modellrechnung Solar-Mining und Hardware-Effizienzdaten: Elektronik-Zeit, Minenity
  • Einspeisevergütungssätze: Bundesnetzagentur

Modell- und Rechtsstand: 9. September 2026. Gemeinsame Modellannahmen: 900 EH/s Netzwerk-Hashrate, 80.000 €/BTC, 3,125 BTC Blocksubvention, 144 Blöcke/Tag und 2 % Poolgebühr. Transaktionsgebühren sind nicht enthalten. Preise, Netzwerk und Betriebspunkt bleiben im Modell konstant; dies sind keine Live-Daten oder Prognosen. Die historischen Hashprice-Werte 29 und 23,9 USD/(PH/s)/Tag dienen nur der Einordnung früherer Fassungen. Investitionsbudgets und Nutzungsdauer sind Annahmen. Finanzierung, Steuern und Restwert sind nicht enthalten. Monatsbeträge sind Jahresdurchschnitte; tatsächlicher Betrieb und Auszahlungen schwanken.

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