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Wer eine PV-Anlage hat und den Überschuss besser nutzen will, stößt schnell auf zwei sehr unterschiedliche Wege: eine Wärmepumpe, die aus Strom Heizwärme macht – oder einen Bitcoin-Miner, der aus Strom Sats und Abwärme macht. Die häufige Frage lautet: Was ist sinnvoller? Die ehrliche Antwort vorweg: Das ist meist keine Entweder-oder-Entscheidung. Die beiden tun grundverschiedene Dinge – und ergänzen sich sogar.
Dieser Artikel erklärt die Aufgaben von Wärmepumpe und Bitcoin-Miner, mögliche zeitliche Überschneidungen und eine nachvollziehbare Reihenfolge für die Nutzung von PV-Überschuss. Ob die Kombination wirtschaftlich hilft, entscheidet eine vollständige Rechnung.
Zwei Geräte, zwei völlig verschiedene Aufgaben
Die Wärmepumpe – hocheffizienter Eigenverbraucher
Eine Wärmepumpe heizt Haus und Warmwasser. Bei einer angenommenen Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3 bis 4 erzeugt sie über das Jahr aus 1 kWh Strom 3 bis 4 kWh Nutzwärme; der COP beschreibt dagegen einen bestimmten Betriebspunkt. Die erreichbare JAZ hängt unter anderem von Gebäude und Temperaturen ab. Quelle: Umweltbundesamt: Wärmepumpen und Jahresarbeitszahl. Raumheizbedarf fällt überwiegend im Winter an, PV-Ertrag stärker im Sommer. Eine pauschale PV-Deckung von 15–30 % lässt sich daraus nicht ableiten: Dafür sind Erzeugungs-, Heiz- und Warmwasserprofile notwendig. Im späteren Beispiel sind 25 % bewusst eine Annahme.
Der Bitcoin-Miner – Verwerter des Überschusses
Ein Bitcoin-Miner (ASIC) macht aus Strom zwei Dinge gleichzeitig: einen Ertrag in Bitcoin (Sats) und Abwärme, die sich nutzen lässt. Er ist kein Eigenverbraucher im klassischen Sinn, sondern ein Verwerter: Er läuft dann, wenn viel Überschuss da ist – also vor allem an sonnigen Tagen und in der Mittagsspitze, im Sommerhalbjahr. Genau der Strom, der sonst für wenige Cent ins Netz fließt, wird so zu Sats. Wie sich die Abwärme nutzen lässt, zeigt unser Artikel zur Bitcoin-Heizung.
Der entscheidende Punkt: Wann fällt der Strombedarf an?
Zeitlich unterscheiden sich die Hauptanwendungen; Warmwasser und Heizbedarf in der Übergangszeit können aber gleichzeitig mit PV-Mining anfallen:
- Die Wärmepumpe zieht ihren Strom vor allem im Winter (Heizsaison) – wenn wenig PV-Überschuss da ist.
- Der Miner nutzt vor allem den Sommer-Überschuss – wenn am meisten übrig ist.
Die Wärmepumpe und der Miner können durchaus um dieselbe Kilowattstunde konkurrieren, besonders bei Warmwasser und in der Übergangszeit. Deshalb wird vorhandener sinnvoller Wärmebedarf zuerst zeitlich bilanziert. Erst der anschließend tatsächlich freie PV-Überschuss geht in den Mining-Vergleich. Sektorkopplung ist eine Frage von Lastprofil, Regelung und vermiedenen Kosten.
Wärmepumpe und Miner im direkten Vergleich
| Kriterium | Wärmepumpe | Bitcoin-Miner |
|---|---|---|
| Aufgabe | Heizen und Warmwasser | Überschuss zu Bitcoin (Sats) und Abwärme |
| Strombedarf vor allem | Heizsaison; Warmwasser ganzjährig | Hier überschussgeführt, vor allem Sommer und Mittagsspitze |
| PV-Deckung | Aus zeitlichem Profil zu bestimmen; im Beispiel 25 % | Im Modell 100 % der Miner-Energie aus PV, nicht 100 % Erfassung des Überschusses |
| Ersetzt | Bestehende Gas-/Öl-Heizung oder andere Wärmequelle | Einspeisung mit tatsächlichem Tarif; Wärme nur bei passendem Ersatzbedarf |
| Nutzen | Vermiedene Kosten der bisherigen Heizung, abhängig von JAZ und Preisen | Variabler Bitcoin-Ertrag plus tatsächlich vermiedene Heizkosten |
| Wirtschaftliches Risiko | Gebäude, JAZ, Angebot, Wartung und Energiepreise | Zusätzlich Bitcoin-Kurs, Netzwerk-Hashrate, Pool und Hardwarealterung |
| Invest (Orientierungsbudgets) | 15.000–30.000 € bisheriger Rahmen bei Heizungstausch; vollständiges Angebot prüfen | 500–4.000 € bisheriger Hardware-Rahmen; erforderliche Installation und Zusatztechnik kommen hinzu |
| Lautstärke | Außeneinheit: Standort und Schallplanung berücksichtigen | ASIC häufig laut; Stellplatz und Schallschutz erforderlich |
| Aufwand | Fachbetrieb, Planung, Installation und Wartung | Regelung, Elektrik, Wärmeführung und Wartung |
Die Investitionsbereiche sind bisherige Orientierungsbudgets und keine geprüften aktuellen Angebote. Eine Wärmepumpe umfasst einen anderen Leistungsumfang als ein einzelner ASIC; für eine Entscheidung sind vollständige Einbau-, Betriebs- und Wartungskosten sowie Nutzungsjahre beider Alternativen erforderlich. Die Heizkostenersparnis ist ebenso wenig fest garantiert wie ein Mining-Ertrag.
Die ehrliche Reihenfolge: erst selbst nutzen, dann den Rest minen
Unsere Haltung ist einfach: möglichst viel Ihres PV-Überschusses sinnvoll verwerten. Und die ehrliche Faustregel dafür lautet: Was Sie selbst sinnvoll nutzen können, hat Vorrang.
Eine Wärmepumpe, ein E-Auto oder ein Warmwasserspeicher kann bereits benötigten Netzbezug beziehungsweise Brennstoff ersetzen. Diesen Bedarf zeitlich zu decken hat Vorrang, sofern sich auch die dafür nötige Technik rechnet. Danach verbleibender Überschuss ist ein Kandidat für Mining. Einspeisung bleibt dabei ein wirtschaftlicher Vergleichswert: 3 ct/kWh sind bei 4.000–5.000 kWh immerhin 120–150 € im Jahr und kein kostenloser Strom.
Die Reihenfolge lautet: bestehenden sinnvollen Eigenverbrauch einschließlich Wärmepumpe decken → tatsächlich freien Überschuss bestimmen → Mining gegen Einspeisung und weitere Optionen rechnen. Denselben Grundsatz wenden wir im Vergleich Speicher, Heizstab oder Miner an.
Ein Rechenbeispiel (ohne Garantie)
Modell einer ausgeförderten 12-kWp-Anlage: 11.500 kWh PV-Erzeugung im Jahr, manuell angenommene 3 ct/kWh Netto-Einspeisung und 30 ct/kWh vollständiger zusätzlicher Netzpreis. Haushalt und vorhandenes E-Auto nutzen hier zusammen 6.000 kWh PV direkt; zusätzlich fließen 1.000 kWh in die bestehende Wärmepumpe. Deren Strombedarf beträgt insgesamt 4.000 kWh/Jahr, bei JAZ 3 für 12.000 kWh Nutzwärme. Damit bleiben 4.500 kWh freier PV-Überschuss. Miner-Modell: 200 TH/s, 3.500 W, 900 EH/s Netzwerk-Hashrate, 80.000 €/BTC, 144 Blöcke/Tag, 3,125 BTC Blocksubvention und 2 % Poolgebühr; Transaktionsgebühren nicht enthalten. Angenommene 1.000 Volllaststunden, ausschließlich PV, 3.000 € Gesamtinvestition einschließlich erforderlicher Zusatztechnik, 5 Nutzungsjahre und 60 €/Jahr Wartung. Drosselung wird vereinfacht mit konstanter Effizienz behandelt; zusätzliche elektrische Hilfsenergie außerhalb des Betriebspunkts ist mit 0 kWh angesetzt.
- Mit Wärmepumpe: 4.000 kWh Jahresstrom, davon 1.000 kWh PV und 3.000 kWh Netz; 25 % direkte PV-Deckung als Annahme. Bei JAZ 3 liefert sie 12.000 kWh Nutzwärme. Die jährlichen Energiekosten einschließlich 30 € entgangener Einspeisung betragen 900 + 30 = 930 € vor Wartung und Wärmepumpen-Investition. Dieser bestehende Wärmebedarf wird nicht noch einmal pauschal dem Miner gutgeschrieben.
- Freier Sommer-Überschuss: 11.500 − 6.000 − 1.000 = 4.500 kWh; Einspeisung ohne Miner ergibt 4.500 × 0,03 € = 135 €/Jahr. Die allgemeine Spanne 4.000–5.000 kWh entspräche 120–150 €.
- Mit Miner: Angenommen werden 3.500 kWh tatsächlich zeitlich nutzbarer Überschuss, entsprechend 1.000 Volllaststunden. Das ergibt erwartete 0,00408333 BTC beziehungsweise rund 408.333 Sats und 326,67 € Erlös. Abzüglich 105 € entgangener Einspeisung und 60 € Wartung verbleiben 161,67 € Betriebsüberschuss. Nach 3.000 €/5 Jahre = 600 € jährlichem Kapitalansatz: −438,33 € Jahresergebnis ohne Wärme; einfache Amortisation 18,56 Jahre, außerhalb von 5 Jahren. Erstes Jahr nach voller Anfangsinvestition: −2.838,33 €. Mining-Rechner nutzen.
Kernaussage: Der Miner nutzt im Beispiel 3.500 der 4.500 kWh Überschuss; 1.000 kWh bleiben zur Einspeisung. Ohne zusätzliche Wärmeabnahme ist sein Jahresergebnis einschließlich Investition −438,33 €. Als separates Wärmeszenario könnten 80 % technisch nutzbare Wärme × 50 % tatsächlich zeitgleiche Abnahme = 1.400 kWh Nutzwärme anfallen. Ersetzt diese Wärme sonst netzstrombetriebene Wärmepumpenwärme, beträgt ihr Wert 0,30 €/JAZ 3 = 0,10 €/kWh Nutzwärme: 140 €/Jahr; das Miner-Jahresergebnis steigt auf −298,33 €. Ersetzt sie stattdessen PV-betriebene Wärmepumpenwärme mit 3 ct/kWh Opportunität, wären es nur 0,01 €/kWh Nutzwärme und 14 €. Derselbe Heizbedarf darf nicht sowohl als Wärmepumpen-Einsparung als auch als zusätzliche Miner-Wärmeersparnis doppelt zählen.
Unsere Einschätzung
Wenn ohnehin ein Heizungstausch ansteht, ist die Wärmepumpe anhand von Gebäude, Wärmebedarf, JAZ und vollständigem Angebot zu bewerten. Eine günstige Betriebskostenrechnung allein beweist noch keine Amortisation der Installation. Sommerlicher Warmwasserbedarf kann einen Teil der PV-Energie sinnvoll aufnehmen; wie viel Überschuss danach bleibt, zeigt das zeitliche Lastprofil.
Ein geeigneter Stellplatz, sichere Elektrik, Schallschutz und regelbarer Überschuss sind Voraussetzungen für einen Miner; eine pauschale Mindestgröße von etwa 8 kWp beweist keine Rentabilität. Die Kombination aus Wärmepumpe und Miner kann technisch sinnvoll sein, erreicht aber im dargestellten Modell noch kein positives Jahresergebnis einschließlich Miner-Investition. Weitere Möglichkeiten erläutert der Ratgeber Eigenverbrauch erhöhen im Kontext der EEG-Reform 2027.
Eine geplante Wärmepumpe schließt einen späteren Miner nicht aus. Einspeisen bleibt jedoch eine sinnvolle Vergleichsoption, wenn die zusätzliche Mining-Technik einschließlich aller Kosten weniger wert ist. Zuerst Lastprofil und Wärmebedarf klären, dann Investitionen vergleichen.
Rechenstand: 9. September 2026. Alle Kurse, Netzwerkwerte und Betriebspunkte bleiben im Rechenmodell konstant; keine Live-Kurse oder Prognose. Künftige Halvings, Finanzierung, Steuern und Restwerte sind nicht eingerechnet. Investitionen sind Rechenbudgets, keine aktuellen Marktangebote. Jahresergebnis = Betriebsüberschuss minus Investition/Nutzungsjahre; dies ist keine steuerliche Abschreibung. Einfache Amortisation unterstellt unveränderte Jahreswerte und ist keine Zusage. Keine Anlage-, Steuer- oder Kaufberatung; Mining-Erträge werden nicht garantiert.
Wie sich die Miner-Abwärme konkret nutzen lässt, zeigt der Ratgeber zur Bitcoin-Heizung. Den breiteren Vergleich aller Verwertungswege bietet Speicher, Heizstab oder Miner; eine persönliche Einschätzung für Ihre Anlage gibt es zu den Angeboten.
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