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Fallbeispiel: Metallbau GmbH mit 250 kWp Ü20 – Wochenend-Überschuss: Direktvermarktung, Speicher oder Miner? (Modellrechnung)

ca. 9 Min. Lesezeit

Transparenz: Dieses Fallbeispiel ist eine Modellrechnung mit einem fiktiven Gewerbebetrieb. Jahresmengen und Tagesprofile sind Annahmen, keine Messdaten. Alle Kurse, Netzwerkwerte und Betriebspunkte bleiben im Rechenmodell konstant; keine Live-Kurse oder Prognose. Künftige Halvings, Finanzierung, Steuern und Restwerte sind nicht eingerechnet. Investitionen sind Rechenbudgets, keine aktuellen Marktangebote. Jahresergebnis = Betriebsüberschuss minus Investition/Nutzungsjahre; dies ist keine steuerliche Abschreibung. Einfache Amortisation unterstellt unveränderte Jahreswerte und ist keine Zusage. Keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung und keine Renditeversprechen.

Ausgangssituation

Eine Metallbau GmbH in Südbrandenburg, 45 Beschäftigte, Zweischichtbetrieb von 6 bis 22 Uhr an fünf Tagen. Auf dem Hallendach liegt seit 2006 eine 250-kWp-Photovoltaikanlage als Volleinspeiser; die EEG-Vergütung endet zum 31. Dezember 2026. Der Betrieb verbraucht rund 320.000 Kilowattstunden Strom im Jahr – Schweißtechnik, Kompressoren, Krananlage, Lackierkabine, Beleuchtung – gemessen über eine registrierende Leistungsmessung (RLM). Am Wochenende läuft fast nichts: etwas Druckluft-Bereitschaft, Kühlung der Serverecke, Beleuchtung, rund 15 Prozent der Werktagslast.

Die Geschäftsführung prüft den Weiterbetrieb nach dem Förderende; fünfzehn zusätzliche Betriebsjahre wären eine technische Lebensdauerannahme, keine Garantie. Für die zusammen betrachtete 250-kWp-Anlage greift die reguläre Ü20-Auffanglösung für ausgeförderte Anlagen bis 100 kW nicht (§ 3 Nr. 3a EEG, § 21 EEG). Deshalb verwendet dieses Beispiel einen angenommenen Direktvermarktungsvertrag und keinen pauschalen 3-Cent-Anspruch. Anders als im Fallbeispiel Milchviehbetrieb gibt es nur begrenzte sommerliche Wärmeabnahme. Die drei Schritte aus dem Ratgeber Ü20-Anlage im Betrieb führen deshalb zu einem anderen Ergebnis.

Annahmen (Modell)

ParameterAnnahmeBemerkung
Jahresertrag PV237.500 kWh950 kWh/kWp, manuell angenommene Erzeugung
Stromverbrauch Betrieb320.000 kWh/JahrMo–Fr 6–22 Uhr; typische Wochenendlast etwa 15 % der Werktagslast
Marktwert Solar / Ü20-AuffanglösungKein pauschaler 3-Cent-Anspruch für 250 kWpDie gesetzliche Definition ausgeförderter Anlagen für die Anschlussvergütung ist auf höchstens 100 kW begrenzt; siehe Gesetz im Text
DirektvermarktungWerktag 4 ct/kWh; Wochenende 0,5 ct/kWhManuelle zeitbezogene Netto-Vertragswerte einschließlich aller Entgelte; negative Preise vertragsabhängig
Netzstrompreis24 ct/kWhVollständiger Bezugspreis; zusätzlicher Miner-Netzbezug 0 kWh
Hashprice / Bitcoin-Kurs900 EH/s Netzwerk-Hashrate, 80.000 €/BTC, 144 Blöcke/Tag, 3,125 BTC Blocksubvention und 2 % Poolgebühr; Transaktionsgebühren nicht enthalten40 €/PH/Tag vor und 39,20 €/PH/Tag nach Poolgebühr
Mining-Erlös je kWhS21 XP (13,5 J/TH): 12,0988 ct; S19j Pro (29,5 J/TH): 5,5367 ctNach Poolgebühr, vor weiteren Kosten; Rechnungs-Ratgeber
Nutzbare AbwärmeBedarfsgrenze 8.000 kWh/Jahr ausschließlich werktags80 % nutzbare Übertragung; tatsächlich A 5.600 / B 4.800 kWh. Gas-Alternative: 9 ct/kWh vermiedene Nutzwärme, nicht bloßer Brennstoffpreis
Umstellung Messkonzept4.000 € einmalig, auf 10 JahreSeparater Eigenverbrauchsvorteil; Wandlerzähler, Netzbetreiber und Umbau

Schritt 1 und 2: Umstellen und Eigenverbrauch erhöhen

Nach Umbau und Verschiebung vorhandener Lasten steigt der modellierte PV-Eigenverbrauch von rund 47 % auf 129.000 kWh beziehungsweise 54,32 %: Kompressoren, Stapler und elektrische Lasten von Waschanlage sowie Lackiertrockner werden in die PV-Spitze gelegt. Das vermeidet 129.000 × 0,24 € = 30.960 € Netzbezug. Für den Vergleich setzen wir 120.000 dieser kWh an Werktagen und 9.000 am Wochenende an: Entgangene Netto-Vermarktung 120.000 × 0,04 € + 9.000 × 0,005 € = 4.845 €. Der zusätzliche Vorteil beträgt 26.115 €/Jahr vor Messumbau; nach 4.000 € Umbaukosten, auf 10 Jahre verteilt, bleiben 25.715 €/Jahr ohne weitere Wartungsdifferenz im Modell. Es verbleiben 191.000 kWh Betriebs-Netzbezug. Gaswärme wird hier nicht als bereits vermiedener Stromverbrauch mitgerechnet; ihr späterer Miner-Wärmebeitrag bleibt separat.

Es verbleiben 108.500 kWh PV-Überschuss, aufgeteilt in 50.800 kWh werktags und 57.700 kWh am Wochenende. Diese Jahresaufteilung ist eine eigene Modellannahme; die vier folgenden typischen Tage illustrieren lediglich den Lastunterschied. Ohne Häufigkeit und vollständiges Jahresprofil lassen sich daraus keine Jahresmengen ableiten. Alle Jahresbilanzen erfüllen: 129.000 kWh Eigenverbrauch + 108.500 kWh Überschuss = 237.500 kWh PV-Erzeugung.

Das Wochenend-Problem in Zahlen

Typischer TagPV-Ertragdavon im Betrieb genutztÜberschuss
Sommer, Werktag≈ 1.100 kWh≈ 750 kWh≈ 350 kWh (Mittagsspitze)
Sommer, Wochenende≈ 1.050 kWh≈ 120 kWh≈ 930 kWh
Winter, Werktag≈ 250 kWh≈ 230 kWh≈ 20 kWh
Winter, Wochenende≈ 240 kWh≈ 35 kWh≈ 205 kWh

An einem angenommenen Sommer-Sonntag können mittags bis zu 150 kW ungenutzte Leistung anfallen. Das bedeutet nicht automatisch 0 € Wert: Entscheidend sind der tatsächliche Vermarktungsvertrag und die Preise genau dieser Stunden. Für Speicher und Mining gelten hier als Vergleich 4 ct/kWh werktags und 0,5 ct/kWh am Wochenende, jeweils netto nach allen Vermarktungsentgelten. Die drei Wege werden gegen denselben zeitlich passenden Vertragswert geprüft.

Weg 1: Direktvermarktung

Ein Direktvermarkter verkauft den Überschuss zu vertraglichen Bedingungen. Im Modell ergeben 50.800 kWh werktags × 0,04 € = 2.032 € und 57.700 kWh am Wochenende × 0,005 € = 288,50 € zusammen 2.320,50 € Netto-Einspeiseerlös pro Jahr. Weitere feste Entgelte sind hier bereits in den zeitbezogenen Netto-Annahmen enthalten; reale Angebote müssen separat geprüft werden. Es gibt in diesem 250-kWp-Fall keinen belegten Mehrerlös von 500 € gegenüber einer automatischen 3-Cent-Auffanglösung. Einzelne negative Preise können den Vertragswert verändern; eine Auszahlung von null ist keine allgemeine Regel.

Weg 2: Batteriespeicher

Für den Gewerbespeicher rechnen wir mit 52 Wochenenden und je einem Lade-/Entladezyklus, also 52 × 200 kWh PV-Ladeenergie = 10.400 kWh/Jahr. 200 kWh ist dabei das angenommene Ladebudget je Wochenende; die erforderliche Nennkapazität hängt von nutzbarem Kapazitätsfenster und Technik ab. Mit 90 % Gesamtwirkungsgrad erreichen 9.360 kWh die Montag-Frühschicht. Das spart 2.246,40 € Netzstrom; abzuziehen sind 52 € entgangene Wochenend-Einspeisung und 200 €/Jahr Wartung. Betriebsüberschuss: 1.994,40 €/Jahr. Bei 90.000–110.000 € Gesamtinvestition und 15 Jahren Nutzungsdauer beträgt der jährliche Kapitalansatz 6.000–7.333,33 €; das Jahresergebnis liegt bei −4.005,60 bis −5.338,93 €. Einfache Amortisation: 45,13–55,15 Jahre, außerhalb der angesetzten 15 Jahre. Ein zweiter Wochenendzyklus würde eine zwischenzeitliche nutzbare Entladung erfordern. Lastspitzenkappung ist eine eigene, hier nicht eingerechnete Anwendung.

Weg 3: Bitcoin-Mining – zwei Varianten

Miner sind eine regelbare Zusatzlast für den Wochenend-Überschuss. Zwölf S21 XP mit je 270 TH/s und 3.645 W ergeben 3.240 TH/s und 43,74 kW (Bitmain S21 XP); zwölf S19j Pro mit je 104 TH/s und 3.068 W ergeben 1.248 TH/s und 36,816 kW (Bitmain S19j Pro). Abluft, Schallschutz, Steuerung, Überwachung und fachgerecht geplante Elektrik sind mit 8.000 € budgetiert. Eine pauschale 63-Ampere-Zuleitung ist keine geprüfte Auslegung für diese Gerätezahl; Anschluss, Phasen, Reserven und Hilfsverbraucher muss ein Elektrofachbetrieb dimensionieren. Angenommene PV-Aufnahme: A 35.000 kWh, B 30.000 kWh, jeweils 80 % am Wochenende und 20 % werktags, kein Miner-Netzbezug. Das entspricht 800,18 beziehungsweise 814,86 Volllaststunden; gedrosselter Betrieb wird mit konstanter Effizienz vereinfacht. Zusätzliche elektrische Hilfsenergie ist mit 0 kWh angesetzt und in realen Angeboten zu ergänzen. Nutzungsdauer: A 4, B 3 Jahre; Wartung, Filter und Überwachung je 500 €/Jahr. Gaswärmebedarf von maximal 8.000 kWh/Jahr besteht ausschließlich werktags; bei 80 % nutzbarer Übertragung sind daher nur 5.600 kWh (A) beziehungsweise 4.800 kWh (B) zeitlich nutzbar.

Position pro JahrVariante A: 12 × S21 XP neu (43,74 kW)Variante B: 12 × S19j Pro gebraucht (36,816 kW)
Aufgenommener PV-Überschuss35.000 kWh: 28.000 Wochenende + 7.000 Werktag30.000 kWh: 24.000 Wochenende + 6.000 Werktag
Erwarteter Bitcoin-Ertrag nach Poolgebühr0,05293210 BTC0,02076271 BTC
Mining-Erlös4.234,57 €1.661,02 €
Entgangene Netto-Vermarktung (gewichtet 1,2 ct/kWh)−420,00 €−360,00 €
Wärmegutschrift (tatsächlich genutzte Wärme × 9 ct)5.600 kWh × 0,09 € = 504,00 €4.800 kWh × 0,09 € = 432,00 €
Betriebskosten (Filter, Wartung, Überwachung)−500,00 €−500,00 €
Betriebsüberschuss gegenüber Einspeisen3.818,57 €1.233,02 €
Hardware + Infrastruktur (einmalig)42.000 € + 8.000 € = 50.000 €6.000 € + 8.000 € = 14.000 €
Angesetzte wirtschaftliche Nutzungsdauer4 Jahre3 Jahre
Jährlicher Kapitalansatz−12.500,00 €−4.666,67 €
Jahresergebnis einschließlich Investition−8.681,43 €−3.433,65 €
Rechnerische einfache Amortisation13,09 Jahre; keine Amortisation innerhalb von 4 Jahren11,35 Jahre; keine Amortisation innerhalb von 3 Jahren

Unter diesen Annahmen rechnet sich Mining in dieser Halle einschließlich Investition nicht. A erreicht 3.818,57 € Betriebsüberschuss, aber −8.681,43 € Jahresergebnis; B 1.233,02 € Betriebsüberschuss, aber −3.433,65 € Jahresergebnis. Die einfachen Amortisationszeiten 13,09 beziehungsweise 11,35 Jahre liegen weit über 4 beziehungsweise 3 Nutzungsjahren. Begrenzte werktägliche Wärmeabnahme und die Infrastrukturkosten belasten die Rechnung. Im ersten Jahr einschließlich voller Anfangsinvestition verbleiben −46.181,43 € (A) beziehungsweise −12.766,98 € (B).

Wann kippt das Ergebnis? Drei Sensitivitäten

  • Hashprice verdoppelt sich: Modellhaft 160.000 €/BTC bei unverändert 900 EH/s. B erzielt 3.322,03 € Mining-Erlös, 2.894,03 € Betriebsüberschuss und −1.772,63 € Jahresergebnis. Einfache Amortisation: 4,84 Jahre, weiterhin länger als 3 Nutzungsjahre.
  • Ganzjähriger Prozesswärmebedarf: Nur wenn zusätzlich auch an den Mining-Wochenenden passende Wärmeabnahme besteht, können bei B 20.000 kWh tatsächlich genutzt werden; sie liegen unter 80 % von 30.000 kWh = 24.000 kWh technisch angesetzter Wärme. Bei 9 ct/kWh beträgt die Gutschrift 1.800 €, der Betriebsüberschuss 2.601,02 €, das Jahresergebnis −2.065,65 € und die einfache Amortisation 5,38 Jahre. Ohne passende Wochenendabnahme bleibt es trotz höherem Jahresbedarf bei 4.800 kWh Nutzwärme. Selbst verdoppelter Hashprice plus 20.000 kWh tatsächliche Wärme ergibt 4.262,03 € Betriebsüberschuss, −404,63 € Jahresergebnis und 3,28 Jahre Amortisation: weiterhin außerhalb von 3 Nutzungsjahren.
  • Infrastruktur bereits vorhanden: Bei 2.000 statt 8.000 € nötiger Zusatztechnik sinkt Bs Gesamtinvestition auf 8.000 €. Der Betriebsüberschuss bleibt 1.233,02 €/Jahr; Jahresergebnis −1.433,65 €, einfache Amortisation 6,49 Jahre. Auch dies reicht innerhalb von 3 Jahren nicht.

Fazit

Für diese Metallbau GmbH ergibt sich im Modell: Messumbau und Verschiebung bestehender Lasten bringen 26.115 € zusätzlichen Vorteil vor Umbaukapital; die angenommenen 4.000 € Umbaukosten sind separat zu prüfen. Direktvermarktung ist die angenommene Vertragsbasis mit 2.320,50 € Nettoerlös aus dem verbliebenen Überschuss. Der nur am Wochenende eingesetzte Speicher und beide Miner-Varianten erreichen keine Amortisation innerhalb ihrer Nutzungsdauer. Neue Wärmeabnahme, Hardwareangebote oder veränderte Marktdaten rechtfertigen eine neue Rechnung, aber keine automatische Kaufempfehlung. Bis dahin wird der Wochenend-Überschuss zum angenommenen Netto-Vertragswert von 0,5 ct/kWh eingespeist. Ein Gewerbe-Check soll genau solche Unterschiede offenlegen; der Lastgang entscheidet, wie stark Halle und Hof mit Trocknungsbedarf voneinander abweichen.

Rechenstand: 9. September 2026. Alle Kurse, Netzwerkwerte und Betriebspunkte bleiben im Rechenmodell konstant; keine Live-Kurse oder Prognose. Künftige Halvings, Finanzierung, Steuern und Restwerte sind nicht eingerechnet. Investitionen sind Rechenbudgets, keine aktuellen Marktangebote. Jahresergebnis = Betriebsüberschuss minus Investition/Nutzungsjahre; dies ist keine steuerliche Abschreibung. Einfache Amortisation unterstellt unveränderte Jahreswerte und ist keine Zusage. Keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung, keine Renditeversprechen.

Die Grundlagen zu Messkonzept und Eigenverbrauchs-Hebeln erklärt der Ratgeber Ü20-Anlage im Betrieb; die Umsetzung für Hof und Halle ist das AGM-Paket, die neutrale Vorprüfung der Gewerbe-Check.

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