Fallbeispiel: Bitcoin Mining mit 10 kWp PV-Anlage
Wie sieht PV-Überschuss-Mining in der Praxis aus? Das folgende Beispiel zeigt eine modellhafte Berechnung für eine typische Privatanlage – transparent, mit allen Annahmen und ohne Renditeversprechen.
Modellrechnung, neu gerechnet am 9. September 2026. Alle unten genannten Eingaben bleiben über das Modelljahr konstant; sie sind keine Prognose. Das historische 800-EH/s-Beispiel bleibt erhalten. Transaktionsgebühren sind ausgeschlossen, die Poolgebühr wird einmal abgezogen. Zusätzliche Betriebsstunden verändern das Vorzeichen einer negativen Energiemarge nicht. Finanzierung, Steuern und Restwert sind nicht enthalten. Monatsbeträge sind Jahresdurchschnitte; tatsächlicher Betrieb und Auszahlungen schwanken.
Ausgangslage
- PV-Anlage: 10 kWp, Südausrichtung, 30° Neigung, Süddeutschland
- Jahresertrag PV: ca. 11.000 kWh (≈ 1.100 kWh/kWp)
- Eigenverbrauch Haushalt: ca. 3.500 kWh/Jahr
- Verfügbarer PV-Überschuss: ca. 7.500 kWh/Jahr
- Bisherige Einspeisevergütung: 8,2 ct/kWh
Mining-Hardware
- Modell: Antminer S19, angenommener Betriebspunkt 121 TH/s bei 3.500 W; kein Datenblattversprechen für jede S19-Variante.
- Stromverbrauch: 3.500 W
- Betriebsmodus: Nur bei PV-Überschuss; im Winter abschalten
- PV-Überschuss-Stunden: 1.300 h/Jahr als frei gewählte Modellannahme; der verfügbare Überschuss muss während dieser Stunden mindestens 3.500 W betragen. Aus der 10-kWp-Anlagengröße allein folgt diese Laufzeit nicht.
Berechnungsgrundlagen
- Netzwerk-Hashrate: 800 EH/s als konstante historische Modellannahme, kein aktueller Messwert.
- Blocksubvention: 3,125 BTC; Transaktionsgebühren nicht eingerechnet.
- Blöcke/Tag: 144
- Pool-Gebühr: 1 %
- Bitcoin-Kurs: 80.000 €/BTC. Investition einschließlich benötigter Zusatztechnik: 1.100 €; angesetzte Nutzungsdauer: 3 Jahre; Wartung: 50 €/Jahr. PV-Anteil 100 %, Netzbezug 0 kWh. Im Basisfall keine nutzbare Abwärme angesetzt.
Modellrechnung
| Kenngröße | Wert | Anmerkung |
|---|---|---|
| Hashrate | 121 TH/s | Antminer S19 |
| Stromverbrauch | 3.500 W | |
| Netzwerk-Hashrate | 800 EH/s | Konstante Modellannahme |
| Tagesertrag (Vollbetrieb 24 h) | 0,000067381875 BTC/24 h | Hashrate/Netzwerk × 144 × 3,125 × 0,99 |
| PV-Betriebsstunden | 1.300 h/Jahr | = 14,8 % Jahresbetrieb |
| Jahresertrag PV-Only | 0,003649851563 BTC/Jahr | |
| Monatsertrag PV-Only | 0,000304154297 BTC/Monat | Ø über 12 Monate |
| Ertrag in € (Kurs 80.000 €) | 291,99 €/Jahr | Kursabhängig |
| Energie Miner (PV-Only) | 4.550 kWh/Jahr | 3,5 kW × 1.300 h |
| Einspeise-Alternative | 373,10 €/Jahr | 4.550 kWh × 8,2 ct/kWh |
Die Energiemarge beträgt 291,99 € Mining-Erlös minus 373,10 € entgangene Einspeisevergütung, also −81,11 €/Jahr. Nach 50 € Wartung bleibt ein Betriebsüberschuss von −131,11 €. Die jährliche Investitionsverteilung beträgt 1.100 € / 3 = 366,67 €; das Jahresergebnis einschließlich Investition liegt bei −497,78 €. Im ersten Jahr beträgt der Zahlungsüberschuss nach der gesamten Anschaffung −1.231,11 €. Eine einfache Amortisation gibt es bei negativem Betriebsüberschuss nicht. Quellen: Bitcoin: Mining.
Wann kippt das Ergebnis?
Der Unterschied zwischen Energie-Gleichstand und vollständiger Wirtschaftlichkeit ist entscheidend. Alle folgenden Schwellen halten Netzwerk, Laufzeit, Poolgebühr und sonstige Eingaben konstant:
- Bitcoin-Kurs 102.223,34 €: Hier sind allein Mining-Erlös und entgangene Einspeisung gleich. Einschließlich 50 € Wartung und 366,67 € jährlicher Investitionsverteilung liegt der Gleichstand im Modell erst bei 216.383,23 €/BTC. Das ist eine rechnerische Schwelle, keine Kursprognose.
- Mehr PV-Überschuss-Stunden: Bei unveränderter negativer Marge je kWh vergrößern zusätzliche Stunden den Verlust gegenüber Einspeisung. Mehr Laufzeit verteilt feste Kosten nur dann vorteilhaft, wenn zusätzliche Betriebsstunden einen positiven variablen Beitrag liefern.
- Niedrigere Netzwerk-Hashrate: Sie erhöht den erwarteten BTC-Ertrag bei sonst unveränderten Eingaben. Eine dauerhafte Änderung lässt sich daraus nicht vorhersagen.
- Wegfall der Einspeisevergütung 2027: Ein solcher Wegfall ist für kleine Neuanlagen im Regierungsentwurf vorgesehen, nicht pauschal für diese Bestandsanlage. Auch ohne feste Vergütung sind mögliche Markt- oder Anschlussvergütung, Investition und Betrieb zu berücksichtigen. Quelle: BMWE: Gesetzgebungsverfahren, § 23b EEG.
Chancen
- PV-Überschuss kann flexibel genutzt werden; der Nutzen muss die tatsächlich entgangene Vergütung und zusätzliche Kosten tragen.
- Bei höherem Bitcoin-Kurs steigt der modellierte Euro-Erlös; Energie-Gleichstand und Ergebnis einschließlich Hardware sind getrennt zu prüfen.
- EEG-Reform 2027: Auswirkungen auf kleine Neuanlagen sind geplant; die Wirtschaftlichkeit dieser Bestandsanlage folgt ihren eigenen Förderbedingungen. Quelle: § 100 EEG.
- Abwärme: Im Basisfall null, weil der Miner im Winter ausgeschaltet ist. Ein gesonderter Fall mit 1.000 kWh tatsächlich zeitgleich nutzbarer Wärme zu 10 ct/kWh verbessert das Jahresergebnis um 100 € auf −397,78 €. Diese Wärme muss durch Sommer-/Übergangsbedarf, etwa Warmwasser oder Werkstatt, gedeckt sein.
Risiken
- Unter den angegebenen historischen Modellannahmen ist der S19 mit 121 TH/s gegenüber Einspeisung im Nachteil.
- Bitcoin-Kurs kann weiter fallen – Nachteil vergrößert sich
- Netzwerk-Hashrate und Difficulty können steigen oder fallen; für eine mehrjährige Planung sind mehrere Szenarien zu rechnen.
- Lautstärke: ca. 75 dB – nicht im Wohnbereich betreibbar
- Hardware-Kosten: Die frühere Spanne 800–1.500 € ist ein Modellbudget, kein aktuelles Angebot. Gerechnet wird mit 1.100 € einschließlich nötiger Zusatztechnik und 3 Jahren Nutzung.
Fazit
Mit dem Antminer S19 (121 TH/s) auf einer 10-kWp-Anlage liefert das historische Modell 291,99 € Mining-Erlös gegenüber 373,10 € Einspeisung. Nach Wartung und Investitionsverteilung beträgt das Jahresergebnis −497,78 €. Zusätzliche Laufzeit allein behebt die negative Energiemarge nicht. Die EEG-Reform 2027 begründet keinen pauschalen Wegfall dieser Bestandsvergütung. Individuelle PV-Daten und zeitgleich nutzbare Abwärme können andere Ergebnisse ergeben.
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Ein vollständig durchgerechnetes Szenario mit allen Annahmen finden Sie im Fallbeispiel einer 10-kWp-PV-Anlage. Besonders relevant werden diese Rechnungen, wenn nach 20 Jahren die EEG-Förderung ausläuft – und die in Bitcoin erzielten Erträge unterliegen der Mining-Besteuerung.
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